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Lavendel Offline

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07.08.2009 00:16
Vertebroplastie bei Wirbelfrakturen ein Placebo Zitat · antworten

Vertebroplastie bei Wirbelfrakturen ein Placebo

Malvern/Rochester – Die Vertebroplastie, eine minimal invasive Behandlung osteoporotischer Wirbelfrakturen, die sich seit vielen Jahren einer großen Beliebtheit bei Patienten erfreut, war in zwei randomisierten klinischen Studien im New England Journal of Medicine (NEJM 2009; 361: 557-579) nicht besser wirksam als eine Scheinbehandlung.

Die Injektion von “Knochenzement” (genauer des thermoplastischen Kunststoffs Polymethylmethacrylat, PMMA) in den gesinterten Wirbelkörper ist eine so plausible Therapie osteoporotischer Frakturen, dass die beiden Arbeitsgruppen Probleme hatten, überhaupt Teilnehmer für ihre Studien zu finden.

Nur wenige Patienten, die in der Regel unter heftigen Schmerzen leiden, waren bereit sich (nach Losverfahren unter Umständen) einer Scheinbehandlung zu unterziehen. Die US-Gruppe um David Kallmes von der Mayo Clinic in Rochester konnte in zweieinhalb Jahren nur 131 Patienten zur Teilnahme überreden.

An der Studie von Rachelle Buchbinder von der Monash University in Malvern/Australien beteiligten sich ganze 78 Patienten. Es handelte sich aber um die ersten placebokontrollierte Studie zur Vertebroplastie, die seit den 90er-Jahren in steigendem Maße eingesetzt wird, in den USA allein 73.000 Mal im letzten Jahr.

Während der Therapie, die unter lokaler Betäubung durchgeführt wird, achteten die Radiologen darauf, dass die Patienten scheinbare und echte Behandlung nicht unterscheiden konnten. An der Mayo Clinic wurde vor der Scheinbehandlung sogar das PMMA vorbereitet, damit die Patienten den Geruch wahrnahmen und nicht ahnten, in welchen Studienarm sie gelost wurden.

Auch heftigste Rückenschmerzen bei osteoporotischen Frakturen sind nämlich anfällig gegenüber einer Placebo-Wirkung, wie die Ergebnisse der beiden Studien zeigen, die aber auch durch die Fähigkeit zur Spontanheilung erklärbar wären.

In beiden Studien besserten sich die Schmerzen nicht nur nach der echten Vertebroplastie, sondern auch nach der Scheinbehandlung (injiziert wurde hier nur ein kurzwirkendes Analgetikum). Endpunkt der US-Studie waren die Veränderungen im Roland-Morris Disability Questionnaire nach einem Monat. In der australischen Studie wurden die Schmerzen nach einer Woche, sowie nach 1,3 und 6 Monaten mit Skalen gemessen.

Der Editorialist James Weinstein vom Dartmouth-Hitchcock Medical Center in Hanover/New Hamshire (NEJM 2009; 361: 619-621) sieht in den Studienergebnissen eine Bestätigung für die Reformen der US-Regierung, die unter dem American Recovery and Reinvestment Act vom Februar 2009 auch eine verstärkte Versorgungsforschung vorsieht, um jene Therapien zu finden, die möglicherweise keinen Sinn ergeben, aber hohe Kosten produzieren (US-Radiologen berechnen nach Presseberichten für eine Vertebroplastie 2.500 bis 3.000 Dollar plus 1.000-2.000 US-Dollar für die Kernspintomografie).

Der Orthopäde bezweifelt allerdings, dass die Studien angesichts des verbreiteten Glaubens an seine Wirkung durch die Patienten das sofortige Ende der Vertebroplastie einläuten werden. Ein derartiger Paradigmenwechsel benötigt in der Medizin erfahrungsgemäß eine gewisse Zeit.

Quelle: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/37...ein_Placebo.htm

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