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Eveline Offline

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20.10.2009 21:13
Machen Schmerzmittel süchtig? Pro und Contra Zitat · antworten


Machen Schmerzmittel süchtig? – Pro

Wird die Frage auch mit einem klaren „JA“ beantwortet, müssen wir sorgfältig unterscheiden, welche Personen bzw. Patientengruppen betroffen sein können. Ferner müssen alle Schmerzmittel in die Betrachtung einbezogen werden. Suchtpotential besitzen: Paracetamol, banale analgetische Mischpräparate, Mischpräparate mit Coffein, NSAR, schwache Opioide v.a. Tramadol, starke Opioide, Ketamin, Cannabinoide, sowie Antikonvulsiva wie Gabapentin und Pregabalin. Die Missbrauchshäufigkeit geht nicht mit dem Suchtpotential der verwendeten Substanzen einher.
Bei präfinalen Tumorpatienten wird eine iatrogene Sucht bzw. Abhängigkeit heute großzügig toleriert. Kritischer wird die Suchtentwicklung bei der Therapie von Nicht-Tumor-Schmerzen mit Opioiden beurteilt. Angaben in der Literatur sprechen von bis zu 50 % süchtig gewordener Patienten. Vor allem ungerechtfertigt hohe Dosierungen werden oft leichtsinnig verabreicht. Bei den genannten Gruppen entsteht also Sucht im Zuge der Schmerzbehandlung. Analgetika werden aber auch ohne Indikation verabreicht bzw. selbst eingenommen. Tumorpatienten bekommen mitunter hohe Dosen von Opioiden auch ohne Schmerzen zu haben – der direkteste Weg zur Sucht. Kopfschmerzpatienten missbrauchen Mischanalgetika und Paracetamol als Vorbeugung und können diesen Missbrauch ohne ärztliche Hilfe nicht beenden. Puren Missbrauch ohne vorherige Schmerzbehandlung betreiben Ärzte, oft Anästhesisten und anderes medizinisch tätiges Personal weil die Beschaffung einfach und verführerisch ist. Die bei dieser Gruppe häufig verwendeten Substanzen sind Fentanyl, Sufentanil, Ketamin und Propofol mit dem Ergebnis einer echten Sucht.
All diese Beobachtungen zu bagatellisieren wäre eine falsche Liberalisierung der Verschreibung wichtiger, gut und stark wirksamer
Arzneimittel in der Schmerzbehandlung.

Machen Schmerzmittel süchtig? – Contra

Das Thema Sucht ist sehr emotional besetzt. Auch in Bezug auf Schmerzmittel als Suchtmittel wird sehr wenig auf das heutige Wissen Rücksicht genommen. Man erlebt auch heute noch, dass man bei Schwerstkranken Schmerzpatienten mit einer Lebenserwartung von wenigen Monaten die Frage nach dem Suchtpotential des Schmerzmittels gestellt wird.
Wenn man nun als Psychiater, der sich seit vielen Jahren mit der Therapie von Abhängigkeitserkrankungen befasst, die Fragestellung „Machen Schmerzmittel süchtig“? betrachtet, kann man folgendes in den Vordergrund stellen.
Die Diagnose Abhängigkeit nach ICD10 oder DSMV ist für die Festellung von Häufigkeiten, für finanzielle Belange und für Gesundheitsberufe mit ihren Institutionen wichtig, aber für die Ursache, die Therapie und auch für den Verlauf absolut ungenügend und viel zu heterogen.
Neugierde, das Verlangen nach Berauschung, die Veränderung des Bewusstseins, Geselligkeitsbedürfnisse und Modeerscheinungen sind die häufigsten Ursachen um Tabak, Alkohol oder Haschisch zu konsumieren. Die Neugierde steht auch bei harten Drogen im Vordergrund. Das Rauscherleben, nicht lösbare Konflikte und Angst vor der Zukunft sind Einstiegsmotivationen für harte Drogen. Ich kenne keine methodisch gute Arbeit, die bei sicher organisch bedingten Schmerzen eine Abhängigkeitsentwicklung beschreibt.
In einer großen epidemiologischen Studie konnten wir zeigen, dass Abhängigkeit zum Beispiel von Tabak die Abhängigkeiten von anderen Suchtmitteln signifikant steigert.
Aus psychologischen Untersuchungen wissen wir, dass ein sehr stark herabgesetztes Selbstwertgefühl und- oder zu rigide Moralvorstellungen oft die Ursache für eine Suchtentwicklung sind. Soziologische Einflüsse durch die Gruppe sind für die Suchtentwicklung auch nicht zu unterschätzen. Es wird ein Fragebogen vorgestellt, der diese Gefährdung erfassen könnte und er wird auch bereits in mehreren Schmerzambulanzen verwendet, sodass wir in kurzer Zeit Aussagen zu seiner Validität und Reliabilität machen können.
Handelt es sich um eine echte Komorbidität (Abhängigkeit und Schmerzpatient) müssen realistische Therapieziele und die Therapie nach beiden Problemen modifiziert werden. Die Therapie der Abhängigkeit richtet sich nach den Untergruppen, wie wir sie beim Alkohol beschrieben haben oder wie sie Peter Hermann bei Opiatabhängigen beschreibt.


Quelle:
Österreichische Schmerzgesellschaft

Liebe Grüße
Eveline



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